Knoblauch und die Zerstörung der Moore

Foto: Garlic von Sami Nurmi. Lizenziert unter CC BY-NC 2.0.

Die Zerstörung von Mooren ist längst ein internationales Problem geworden. Wer den internationalen Handel mit Knoblauch betrachtet, erhält einen Einblick in eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit.

Knoblauch aus China zählt längst zum Standardangebot europäischer Supermärkte. 2024 kamen 71 Prozent aller internationalen Knoblauchexporte aus der Volksrepublik, das entsprach einer Exportsumme von 3,06 Milliarden Dollar. Die EU importierte 2024 Knoblauch im Wert von über 124 Millionen Dollar aus China, was einen Zuwachs von über 57 % gegenüber 2023 bedeutet.

Dank der großen Nachfrage stellten viele Produzent*innen insbesondere in der westchinesischen Provinz Shandong in den vergangenen Jahren ihre Produktion um. Wo Jahrhunderte lang Weizen wuchs, wird nun per Hand Knoblauch geerntet.

Das Gemüse ist ein gutes Beispiel für den erfolgreichen globalisierten Handel mit Lebensmitteln. Doch auch die Folgen dieser Art des Wirtschaftens für die Umwelt kommen weltweit zum Tragen, denn der Hunger nach frischem Gemüse hat Auswirkungen auf die lokalen Umweltbedingungen ebenso wie auf das Weltklima.

Effiziente CO2– und Methanspeicher

Beim kommerziellen Anbau von Knoblauch geht nichts ohne Torferde, die eine wichtige Ressource für die industrielle Produktion von Gemüse ist. Gleichzeitig ist ihr Abbau einer der größten Treiber des Klimawandels, da durch die Torfgewinnung Moore trockengelegt werden und so große Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen.

Moore bedecken nur drei bis vier Prozent der Landoberfläche der Erde, speichern jedoch ein Drittel des weltweiten Kohlenstoffs. Sie sind daher deutlich effektivere CO2-Speicher als Wälder und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) spricht ihnen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. Die Verwendung von Torf als Brennstoff, für Gärten und die Landwirtschaft sowie die Umwandlung von Mooren in Agrarflächen und Bauland lassen die Moore weltweit jedoch kontinuierlich schrumpfen und setzen das in ihnen gespeicherte CO2 wieder frei.

Torf als Faktor in der Landwirtschaft

China fällt im Erhalt der Moore eine wichtige Rolle zu, denn geschätzt 13 Millionen Hektar der globalen Moorfläche befinden sich im tibetischen Hochland und in Nordostchina. Chinas Moore sind somit die siebtgrößten weltweit. Für die Menschen in der Region sind sie u.a. für das ökologisches Gleichgewicht, die landwirtschaftliche und Export immens wichtig.

Jedoch ist eben diese die größte Ursache für die Zerstörung der Moore. Schon heute sind über 30 Prozent der chinesischen Moore beschädigt. Jährlich emittieren allein die Torfböden in China fast 140 Millionen Tonnen CO2-Equivalente, berichtet UNEP. Grund dafür ist in erster Linie die landwirtschaftliche Nutzung von Torfböden. Neben der Viehwirtschaft ist der Anbau von Gemüse einer der größten Faktoren für die Zerstörung von Mooren.

Gemüse für den europäischen Markt

2025 importierte China Torf im Wert von 178 Millionen Dollar. Der Großteil davon kam aus Lettland (82,8 Millionen Dollar), Estland (60,5 Millionen Dollar) und Russland (22,6 Millionen Dollar). Diese Länder sind für China die am stärksten wachsende Quelle für Torf und China wiederum ihr wichtigster Abnehmer. Die Exporte von Torf aus Lettland, Estland und Russland stiegen in den letzten Jahren beträchtlich an.

Somit setzt nicht nurder globale Hunger nach frischem Gemüse, sondern auch der nach torfhaltiger Erde für private und öffentliche Gärten dem Klima zu. Ein Verbot torfhaltiger Gartenerde wäre ein großer Schritt im internationalen Klimaschutz.

Viel komplizierter ist der Weg hin zu einer torffreien industriellen Landwirtschaft. Sie ist internationaler Konkurrenz ausgesetzt, und eine kostengünstige Alternative für torfhaltige Erden ist nicht in Sicht. Zudem bringen Ersatzprodukte wie Holz- oder Kokosfasern auch andere Nebenwirkungen mit sich: Sie sind nicht universell einsetzbar und ihre Produktion hat ebenfalls negative Folgen für Gesellschaft und Umwelt. Weltweit laufen daher zahlreiche Programme zur Entwicklung von torffreien Anbaumethoden.

Reduktion von Torfverbrauch

Während sich die deutsche Substratindustrie dazu verpflichtete, den Verkauf von Torf in Deutschland einzuschränken, sieht auch der Klimaschutzplan 2050 der deutschen Regierung eine Reduktion des Einsatzes von Torfprodukten vor. Damit sinken in Deutschland sowohl Import als auch Export von Torf. EU-weit fordert das EU-Renaturierungsgesetz die Mitgliedstaaten auf, bis 2050 50 % der geschädigten Moorböden wiederherzustellen.

Seit Jahren bemühen sich auch chinesische Behörden, heimische Moore zu reaktivieren. Die chinesische Regierung reagierte auf die laufende Zerstörung der Moore mit einem Nationalen Plan zum Schutz von Feuchtgebieten und einem Gesetz, dass den Schutz und den Zustand von Mooren verbessern soll. So gibt es auch Projekte in Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Nichtdestotrotz wird in Europa noch auf Jahre hinaus Torf in der Landwirtschaft und zur Energiegewinnung genutzt. Auch das Problem des großflächigen Imports von Gemüse wie Knoblauch bleibt weiterhin bestehen – Es bleibt also noch ein langer Weg, den internationalen Handel torffrei zu machen, um den langfristigen Bestand der letzten Moore zu sichern.