Laos: Ein faszinierendes Land der Gegensätze

Vat Phou bei Champasak Foto: Thomas Immervoll

Reisebericht
von Thomas Immervoll

Laos ist eines der hierzulande am wenigsten bekannten Länder Asiens. DasReispapier-Redakteur Thomas Immervoll berichtet von seiner Reise durch eine Region abseits der Wahrnehmung westlicher Öffentlichkeiten.

In Bangkok war sie noch nie, sehr wohl aber in Nong Khai. Der Ort am anderen Ende der Freundschaftsbrücke zwischen Thailand und Laos sei schön, sagt die junge Frau an der Rezeption des Hotels in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Von hier aus führt eine direkte Eisenbahnverbindung in die thailändische Hauptstadt. Nur wenige Verkehrsmittel verbinden Vientiane mit seinem großen Nachbarn. Gerade junge Menschen sehen Thailand als großes Vorbild.
Jahre des politischen Tauwetters haben einen engeren Dialog zwischen den beiden Staaten, die so viel verbindet, möglich gemacht. Ein Sinnbild dafür ist das kolossale Standbild König Anouvongs, der seine Hand über den Mekong hinweg dem großen Nachbarn entgegenstreckt.

Laos ist ein Binnenland inmitten Südostasiens, das sehr eng mit den umliegenden Staaten verbunden ist. Wir stehen am Ende einer eindrucksvollen Reise, auf der wir ein vielfältiges Land im Umbruch kennenlernen konnten. Wie in früheren Zeiten spielen komplizierte Beziehungen nach außen dabei eine wichtige Rolle.

Vor fast drei Wochen betraten wir über 700 Kilometer weiter im Süden laotischen Boden. Busse fahren nur bis zur kambodschanisch-laotischen Grenze. Die Grenzposten sind zu Fuß zu passieren. Westliche Reisende können ganz unkompliziert ein Visum vor Ort beantragen, die Gebühren sind dieselben wie bei einem Antrag in der Botschaft. Zusätzlich mussten wir sowohl in Kambodscha als auch in Laos zwei Dollar für Ein- und Ausreisestempel zahlen, eine Zahlungsbestätigung dafür gibt es nicht.

Hier beginnt die berühmte Nationalstraße 13. Sie führt vom südlichen Ende von Laos hinauf bis an die chinesische Grenze und verbindet die wichtigsten Städte des Landes. In den kommenden Wochen wird sie uns noch einige Male dienen.

Ein Inselparadies als Barriere für Mensch und Natur

Kurz vor der kambodschanischen Grenze teilt sich der Mekong von Norden kommend in mehrere Flussläufe. Bis zu viertausend Inseln bilden sich in der Trockenzeit, wenn der Wasserstand des größten Flusses Südostasiens seinen Tiefststand erreicht. Braune Wassermassen umspülen das Archipel inmitten einer tropischen Landschaft, die von Landwirtschaft geprägt ist.

In einer Kaskade von Wasserfällen stürzt der gesamte Mekong auf einer Breite von mehr als zehn Kilometern rund zwanzig Meter in die Tiefe. Nirgendwo ist der gewaltige Strom so breit wie hier. Bis zum heutigen Tag verhindert diese natürliche Barriere eine durchgängige Schifffahrt entlang der Lebensader des ehemaligen Indochina.

Es ist ein historischer Ort. Hier scheiterten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Pläne der französischen Kolonialmacht, über den Mekong einen effizienten Zugang zu den Märkten Südchinas zu erhalten. So waren die französischen Kolonialherren gezwungen, die Wasserfälle mit einer sieben Kilometer langen Bahnstrecke zu umrunden. Mit einer Spurweite von einem Meter durchzog sie für einige Jahrzehnte die beiden Inseln Don Det und Don Khon, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut wurde. Über 100 Jahre lang sollte sie die einzige Eisenbahn auf laotischem Territorium sein, die es je gab. Doch dazu später.

Bis zum heutigen Tag kann man Verladestationen an den Enden des Bahndammes und die Brücke zwischen den beiden Inseln besichtigen. Zwei alte Dampflokomotiven werden inmitten einer kleinen, informativen Ausstellung auf beiden Enden der Südinsel Don Khon präsentiert. Leider sind die Maschinen unvollständig und in sehr schlechtem Zustand.

Auf den Spuren der letzten Delphine im Mekong

Der Blick von Don Det in Richtung Festland. Im August führt der Mekong Hochwasser.
Foto: Thomas Immervoll

Von der südlichen Laderampe aus bieten Bootsleute Fahrten zur Besichtigung der letzten Exemplare einer isolierten Population der Irrawaddy-Delfine an. In der Trockenzeit halten sich die Tiere mit ihren charakteristischen Höckern auf der Nase in der Nähe des Ufers auf. Zur Regenzeit ziehen sie sich in kambodschanisches Gebiet zurück. Wir zahlen eine Gebühr von zwei US-Dollar, um die eleganten Geschöpfe jenseits der Grenze zu Gesicht zu bekommen.

Sie leben nicht nur im Süßwasser und sind bis an die Küste Australiens verbreitet. Doch die Population im Mekong ist stark gefährdet. Bejagung, Verschmutzung und Einengung ihres Lebensraumes durch Dammbauprojekte setzen ihnen zu. Aber es gibt Nachwuchs. Wir beobachten ein Jungtier mit seiner Mutter und haben sogar das Glück, die Rücken der beiden fotografieren zu können. Es ist einer der großen Höhepunkte gleich zu Beginn unserer Reise.

Auch abseits des Partygetöses eine Reise wert

Massen von Reisenden suchen auf den viertausend Inseln Vergnügen und Unterhaltung. Die Inseln locken mit leistbaren Parties inmitten einer atemberaubenden Landschaft. Doch sie bieten mehr als permanente Feierstimmung und kostengünstige Berauschung. Wer ein Quartier abseits der Partyzentren der Hauptinseln Don Khong und Don Det wählt, wird mit Einblicken in das südlaotische Landleben belohnt. Wir quartieren uns in einem kleinen Bungalow direkt am Ufer auf Don Det ein. Rund um die Hütte laufen Hühner herum, wir sehen Menschen bei der Arbeit und genießen den Ausblick auf den an dieser Stelle sanft dahinfließenden Mekong.

Es ist ein ruhiger Ort. Bei frischen Milkshakes oder einem kühlen Beer Lao genießen wir die Sonnenuntergänge über der Insellandschaft. Das verborgene Land inmitten der südostasiatischen Tropen hat uns freundlich empfangen.

Eines Morgens stellt uns unser Gastgeber Männer aus Kambodscha vor, die eben Bretter in ihren Booten geliefert haben. Nach getaner Abend essen die Männer in seinem Haus. Der Handel über die grüne Grenze floriert.

Auf den viertausend Inseln reist man mit geliehenem Moped oder per Boot. Zu zweit auf einem Motorroller bahnen wir uns den Weg über unbefestigte Pisten. In der Nacht hat es geregnet und die zahlreichen Löcher in der Straße, manche haben die Größe eines Kleinwagens, haben sich mit Wasser gefüllt. Ziel sind die Wasserfälle an den beiden Seiten der Insel Don Det.

Wasserfälle, so weit das Auge reicht

Auf Hunderten Metern Breite stürzt ein Teil des Mekongs den Kohn Phapheng Wasserfall in die Tiefe.
Foto: Thomas Immervoll

Eine schier unüberblickbare Landschaft von Wasserkaskaden bildet der Somphamit-Wasserfall, einer der beiden großen Teile der Mekong-Fälle. Es lohnt sich auch nach dem Besuch dieses Naturphänomens, die anderen, darunter Khon Pa Soi, vor allem aber Khon Phapheng am Ostrand der Inselgruppe zu besichtigen.

Den größten Wasserfall Südostasiens erreicht man am einfachsten über das Festland. Wir buchen eine kleine Tour in einer der zahlreichen Agenturen, die uns eine bequeme Fahrt zu diesem Schauspiel ermöglicht. In der Regenzeit fallen an dieser Stelle fast 50.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Tiefe. An seinem Ufer halte ich inne. Wie nachhaltig hat diese Wasserstufe die Entwicklung Südostasiens bis hinein ins chinesische Yunnan beeinflusst!

Laos im Sommer: Die ruhige Reisezeit

Es ist Ende August. In Folge des Monsuns kommt es im Sommer zu häufigen Regenfällen. Fast täglich gehen Schauer und Gewitter nieder, die auch heftig ausfallen können. Wer jedoch einen Regenschutz einpackt und die Fahrt nach Südostasien während der Regenzeit wagt, wird durch eine üppige tropische Landschaft belohnt, in der sich nur wenig Reisende aufhalten. Auch touristische Hotspots wie die Viertausend Inseln oder Luang Prabang sind zu dieser Jahreszeit gut erträglich.

Dazu kommen die verhältnismäßig niedrigen Temperaturen. Im Vergleich zur Hauptreisezeit im europäischen Winter ist es weniger heiß, besonders in hochgelegenen Gebieten. Nach einem kühlenden Regen ist das Wetter in Laos geradezu angenehm sommerlich.

Champasak: Die vergessene Königsstadt

Verschlafen liegt die alte Königsstadt Champasak in einer Ebene am Mekong.
Foto: Thomas Immervoll

Wir folgen der Nationalstraße 13 nach Norden bis Champasak. Die schlechten Straßen machen Reisen in Laos nicht immer einfach. An den Hauptreiserouten sind sie allesamt asphaltiert, jedoch von einer Vielzahl an Schlaglöchern übersät. Wer die Verbindungsstraßen zwischen den großen Städten verlässt, sollte immer damit rechnen, auf Straßen ohne Belag zu treffen, was besonders in der Regenzeit zu längeren Fahrtzeiten führen kann.

Die Lao sind geschäftstüchtige Menschen. Oft organisieren sie sich in Familienbetrieben, die oft vom ältesten männlichen Mitglied geführt werden. Unser Gastgeber auf Don Det erzählt uns, sein Bruder sei im vergangenen Monat beim Fischen zwischen den Felsen tödlich verunglückt. Nun habe er auch für dessen Familie zu sorgen.

Wir sehen, unter welch ärmlichen Verhältnissen die Bevölkerung in dieser Region der Erde lebt. Infrastruktur ist schlecht ausgebaut und nur wenige Menschen haben Zugang zu Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Die Versorgungslage ist gut und Waren des täglichen Bedarfs leicht erhältlich. Doch die niedrigen Preise in den Restaurants zeigen, wie wenig Menschen selbst in touristisch entwickelten Gegenden verdienen. Der Reichtum, den sie im thailändischen Fernsehen zu sehen bekommen, scheint Lichtjahre entfernt zu sein.

Nach wie vor trägt die Provinz am südlichen Zipfel des Landes den Namen der alten Königsstadt Champasak. Die Provinzregierung residiert aber längst im weiter nördlich gelegenen Pakse. Wer durch das verschlafene Städtchen am Mekong schlendert, hat nicht den Eindruck, dass sich hier noch vor wenigen Jahrzehnten das Zentrum eines stolzen Königshauses befand. Noch 1969 begann Prinz Boun Ohm den Bau eines Palastes, den er nie fertigstellen konnte. Seit der Machtergreifung durch die Pathet Lao 1975 liegt die Bauruine verwaist und ist ein Zeugnis für die bewegte Geschichte des Landes.

Wer nach Champasak kommt, tut das nicht wegen der königlichen Villen, sondern, um den Khmer-Tempel von Vat Phou zu besichtigen. Längst von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, erzählt er von einer Herrschaft der vor allem im heutigen Kambodscha ansässigen Khmer über das Gebiet, die ihre Wurzeln weit vor der Epoche von Angkor hatte. In der Gegend von Champasak wird die Hauptstadt des antiken Khmer-Reiches Zhenla vermutet.

Auch wenn der Tempel außerhalb von Champasak nicht ganz so spektakulär ist wie jene von Angkor, vermittelt er doch die Pracht einer längst vergangenen Epoche. In frühen Jahrhunderten befand er sich am nördlichen Ende einer wichtigen Straße vom Herzen des Khmer-Reiches im heutigen Kambodscha ins laotische Bergland, die von weiteren Tempeln gesäumt war.

Der Aufstieg zum Tempel ist anstrengend. Oben angekommen, bietet sich uns ein überwältigender Ausblick auf die fruchtbare Ebene von Champasak. Am Horizont sehen wir silbrig glänzend den Mekong. Davor reihen sich Siedlungen und Dörfer aneinander, man beginnt zu verstehen, warum Champasak für frühere Generationen ein zentrales Siedlungsgebiet darstellte.

Am Abend begegnen wir im Garten unseres Gästehauses einem beeindruckenden Bewohner der laotischen Fauna: dem laotischen Skorpion. Das dunkle Tier wird an die zehn Zentimeter groß. Es ist aggressiv, sein Stich ist angeblich etwa so gefährlich wie der einer Wespe. Einheimische berichten uns, dass von Skorpionen in Laos keine Gefahr für den Menschen ausgeht.

Pakse: Die Verbindung zwischen Nord und Süd

Von Champasak nehmen wir ein Songtheo in die rund 30 Kilometer entfernte Metropole von Pakse. Auf dem Kleinlastwagen sind eine Überdachung und entlang der Bordwände Holzbänke montiert, auf denen die Fahrgäste Platz nehmen. Songtheos sind in Thailand und Laos die gängige Variante des öffentlichen Verkehrs, um kürzere Überlandstrecken zu überwinden. Wegen der großen Entfernungen und der schlechten Straßen kann eine Reise mit einem Songtheo in Laos aber auch länger dauern.

Fö, eine traditionelle Speise der Lao. Reisnudeln mit einer Herzhaften Suppe und Kräutern.
Foto: Thomas Immervoll

Zum ersten Mal betreten wir eine laotische Stadt. Hier gibt es indische Restaurants, einen kleinen Flughafen, lebendige Märkte und große Hotels. Touristisch hat die zweitgrößte Metropole des Landes jedoch nur wenig zu bieten. Reisende nützen die Stadt meist als Brückenkopf für eine Reise in den Norden Richtung Vientiane, Vang Vieng oder Luang Prabang, Richtung Westen nach Bangkok oder zu den Viertausend Inseln im Süden. Manche erkunden von hier aus auch die fruchtbaren Hochebenen des Bolaven-Plateaus, das für seine Landschaft, seine ethnische Vielfalt und den Kaffeeanbau bekannt ist. Dafür haben wir jedoch keine Zeit, denn wir wollen Richtung Norden, nach Phonsavan.

Wir müssen erkennen, was Reisen in Laos nicht ganz einfach macht: Die Distanzen sind groß, das Land dünn besiedelt. Folgt man nicht den Hauptverkehrsrouten, so stößt man schnell auf die Grenzen des öffentlichen Verkehrsnetzes. Auf den Bus, der uns binnen 14 bis 17 Stunden nach Phonsavan bringen sollte, müssten wir zwei Tage warten. Wir entschließen uns, unseren Zeitplan einzuhalten, und nehmen einen Umweg in Kauf. Einen Tag früher als geplant reisen wir ab, ohne in Pakse übernachtet zu haben, und besteigen den Nachtbus nach Vientiane. Es ist die Route, die die meisten Reisenden wählen.

Wir hoffen, gleich am Morgen einen Bus nach Phonsavan zu erwischen.
Der Liegebus ist sauber und erstaunlich bequem. Hätte mich nicht am Vortag ein Insekt im Bereich der Augen gestochen, hätte ich eine angenehme Nacht gehabt. So lerne ich spät nachts vom Busfahrer, dass die Lao stets Öle oder Salben gegen Schwellungen und Entzündungen nach Insektenstichen bei sich haben. Ein unverzichtbares Reiseutensil in tropischen Regionen. Die Salbe, die mir der Mann reicht, wirkt sofort und ich beschließe, gleich nach meiner Ankunft in Vientiane selbst ein solches Mittel zu kaufen. So erstehe ich ein Fläschchen Öl chinesischer Erzeugung, was meine Beschwerden stark lindern würde.

Von Tonkrügen und Bomben

Die Tonkrüge bei Phonsavan. Wozu dienten sie?
Foto: Thomas Immervoll

Warum vor über 2000 Jahren mannshohe (oder noch größere) Tonkrüge in die Landschaft gestellt wurden, weiß niemand so genau. War ein Bestattungskult dafür verantwortlich? Dienten die Gefäße zur Lagerung von Waren oder demonstrierten sie die Macht der herrschenden Elite? Rund 1000 dieser riesenhaften Gebilde gibt es an verschiedenen Stätten in der Hochebene rund um die Provinzhauptstadt Phonsavan.

Die Landschaft liegt auf über 1100 Meter Seehöhe und wird von beeindruckenden Bergketten flankiert. Unter ihnen befindet sich der 2819 Meter hohe Phu Bia, der höchste Berg in Laos. Das Klima ist angenehm, morgens kann es sogar kühl werden. Es empfiehlt sich, beim Besuch von Phonsavan wärmere Kleidung nicht zu vergessen.

Doch im Boden lauert Gefahr. Während des Vietnamkrieges bombardierten amerikanische Truppen die Gegend. Laos wurde so, gemessen an der Bevölkerungszahl, zum meistbombardierten Land der Erde. Menschen nutzen das Kriegsgerät für ihre Zwecke. Vieh trinkt aus den Hüllen großer Geschoße, andere Fundstücke werden zu Rohmaterial für Gebäude oder für Dinge des täglichen Bedarfes, die für den Verkauf bestimmt sind.

Besonders die Streubomben, die die kommunistischen Pathet Lao schwächen und die Routen für Nachschub für die vietnamesischen Feinde abschneiden sollten, machen der laotischen Bevölkerung bis zum heutigen Tag zu schaffen. Gelbe, tennisballgroße bombies, die amerikanische Flugzeuge in Kanistern in der Größe von Särgen einst abwarfen, liegen auch nach über vierzig Jahren in der Landschaft verstreut und unter der Erde. Immer wieder kommen sie zum Vorschein und verursachen Unfälle. Besonders gefährdet sind Kinder, die mit den bunten Kugeln spielen, und Menschen, die ihre Felder bestellen.

NGOs kümmern sich um die Aufklärung der Bevölkerung, die medizinische Versorgung Verletzter und um die Wiedereingliederung von Bombenopfern in die Gesellschaft. Sehr empfohlen seien an dieser Stelle das Informationszentrum der Mines Advisory Group (MAG) und das UXO (Unexploded ordnance) Survivor Information Center im Zentrum von Phonsavan. Hier erfahren wir über die Gefahren und können die Arbeit der Organisationen finanziell unterstützen.

So lernen wir, was die Bodenmarkierungen an den archäologischen Stätten bedeuten. Es ist ratsam, in Laos Wege nicht zu verlassen. Wo keine Toiletten existieren, fragt man Einheimische, wo man sich erleichtern kann. Es mag persönlich unangenehm sein, doch die Lao pflegen einen sehr unkomplizierten Umgang mit diesen Dingen.

Am ersten Tag ist das Wetter schlechter als sonst. Es regnet fast den ganzen Tag, nur am Nachmittag können wir trockenen Fußes die Dämme zwischen den Reisfeldern entlanggehen, um die Ausgrabungsstätten zu erreichen. Bomben haben auch viele der Tongefäße zerstört. Am Vortag erzählte uns unser Vermieter, das Tiefdruckgebiet sei ein Ausläufer eines Taifuns. Ich sehe im Internet nach. In den deutsch- und englischsprachigen Medien ist nichts über Unwetter in Südostasien zu finden. Aber welche europäische Zeitung berichtet schon über einen durchschnittlichen Taifun?

In Phonsavan bemerken wir die Nähe zur vietnamesischen Grenze. An vielen Geschäftslokalen finden wir vietnamesische Aufschriften, Denkmäler bezeugen die Freundschaft zwischen Lao und Viet. Es ist nicht mehr weit zum großen östlichen Nachbarn, mit dem Laos 2130 Kilometer Grenze teilt. Die beiden Staaten pflegen lebhafte Handelsbeziehungen.

Wir bedauern, die Hochebene von Phonsavan schon nach zwei Tagen verlassen zu müssen. Im klimatisiertem Minibus machen wir uns auf in die alte Tempelstadt Luang Prabang. Acht Stunden fahren wir durch eine endlose Landschaft atemberaubender Gebirgszüge. Wer in Laos unterwegs ist, sollte die Strapazen in Kauf nehmen und tagsüber und nicht per Flugzeug reisen. Wir werden belohnt durch vielfältige Eindrücke vom Land. Als wir nördlich von Vang Vieng auf die Nationalstraße 13 nach Luang Prabang einbiegen, merken wir den Einfluss eines weiteren Anrainerstaates. Auf der Straße begegnen uns die ersten chinesischen Lastkraftwagen.

Auf den Spuren des alten Asien

Wer nach Luang Prabang kommt, sucht nach einer der ursprünglichsten Städte Asiens. Hier blieben die alten Tempel ebenso erhalten wie die französischen Kolonialbauten. An der Mündung des Nam Khan in den Mekong gelegen, versprüht die alte Königsstadt den Charme, der den meisten asiatischen Städten längst verloren gegangen ist. Die vielfältige Landschaft, gebaut aus Bergen, die von Flüssen durchzogen werden und auf deren Hängen sich Tempel, Höhlen und Wasserfälle finden, ist ein beliebtes Motiv für Fotografinnen und Sinnsuchende aus aller Herren Länder.

Leider ist die Stadt, die Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist, längst Opfer des Massentourismus geworden. Aber auch hier gilt: Wer im Sommer kommt, kann die Schönheit der Stadt in Ruhe genießen. Außerdem verbringen viele der Urlauberinnen ihre Zeit viel lieber mit Elefantenreiten und Zipline, so ist die Stadt trotz der vielen Gäste verhältnismäßig ruhig. Erst in den Abendstunden erwachen die Partymeilen im Zentrum des Ortes zum Leben. Menschen aus Ost und West genießen die Vielfalt an kostengünstigen Bars und Restaurants. Wer auf westliche Kost nicht verzichten möchte, ersteht hier jederzeit Pizza, Importbier oder Cappuccino.

Vat Xieng Thong in Luang Prabang
Foto: Thomas Immervoll

Fast alle Paläste und Tempel wurden in den Wirren des 19. Jahrhunderts dem Erdboden gleichgemacht. Was die Fehden vorangegangener Jahrhunderte überstanden hatte, fiel dem Einfall der Ho aus dem heutigen Südchina zum Opfer. Es überlebte nur der Vat Xieng Thong aus dem 16. Jahrhundert, ein Juwel laotischer Tempelbaukunst. Er dient heute als Vorlage für die Renovierung und Neuausgestaltung zahlreicher Tempel in allen Ecken des Landes.

Bis ins zwanzigste Jahrhundert residierten Könige in Luang Prabang. Im alten Königspalast sehen wir Alltagsgegenstände und Mobiliar der Königsfamilie ebenso wie die Geschenke ausländischer Gäste von nah und fern. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass in einem so bitterarmen Land Menschen in so großem Luxus leben konnten. Die zahlreichen, wunderbaren französischen Villen ergänzen das Ensemble des Zentrums der ältesten der laotischen Metropolen.

Sehenswert ist auch der botanische Garten gegenüber der Altstadt von Luang Prabang. Der Eintrittspreis von 25 US-Dollar beinhaltet die Bootsfahrt sowie kleine Workshops zu lokalen, wilden Orchideen und traditionellem Handwerk. Der Garten leistet einen unschätzbaren Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Laos. Der Eintritt ist nicht ganz billig, aber jeden Cent wert.

Eine Oase des leichten Lebens

Von Luang Prabang geht es mit dem Minibus direkt weiter nach Vientiane. Wie immer entschädigt die wunderbare Landschaft für die Unannehmlichkeiten der achtstündigen Busfahrt. Die Straße führt auch durch Vang Vieng, Fixpunkt im Reiseplan der meisten Laosreisenden. Landschaftlich sehenswert, machte die Stadt auf uns einen eher bescheidenen Eindruck. Zum Aussteigen bleibt jedoch keine Zeit. Die meisten Hotels und Restaurants befinden sich in der Nähe des Mekongs.

Wer Vang Vieng bereist, sucht Unterhaltung und Ausgleich zum Alltag. Die faszinierenden Kalkberge sind ein Kletterparadies und bieten eine Unmenge von Höhlen, die zur Erkundung einladen. Die Gäste genießen das Baden im warmen Wasser und vertreiben ihre Zeit mit Tubing und Rafting. Leistbare Burger mit kühlem Beer Lao machen Laos für westliche Reisende zu einem lebenswerten Ort.

Längst ist die Moderne in Laos angekommen. Wenn westliche Konzerne überraschend wenig präsent sind, so nehmen chinesische Firmen diese Rolle ein. Auf der Nationalstraße 13 zwischen Luang Prabang und Vientiane verläuft auch die wichtigste Handelsroute zwischen Vientiane und dem großen Nachbarn im Norden. Alle paar Kilometer überholen wir einen chinesischen LKW. Die Bemalung der blauen Bordwände mit den Lettern des Nummernschildes verrät die Fahrzeuge von Weitem. Sie stammen aus allen Teilen des Landes. In den wenigen Städten entlang der Straße dominieren außerdem chinesische Geschäftslokale, auch viele der Fabriksanlagen wurden offensichtlich von Firmen aus dem Reich der Mitte nach Laos gebracht.

Vientiane: Das Tor zur Welt

Der Pha That Luang ist das spirituelle Zentrum der Hauptstadt Vientiane.
Foto: Thomas Immervoll

Selbst in der Hauptstadt sind schlaglochbefreite Straßen keine Selbstverständlichkeit. Die Anfahrt zum Busbahnhof der weitläufigen Stadt gestaltet sich schwierig, weil die Piste von wassergefüllten Kratern gespickt ist, in denen Tuktuks, die im ganzen Land verbreiteten Motorrikschas, zu versinken drohen. Wer hier breite Autobahnen wie in Bangkok vermutet, sucht vergeblich. Selbst die Hauptverkehrsstraßen nehmen sich eher bescheiden aus.
Dennoch ist Vientiane ein moderner Ballungsraum inmitten der größten Ebene von Laos. Gelegen in der Reiskammer des Landes ist sie Anziehungspunkt für Menschen aus dem ganzen Land. An den Mekong angeschmiegt vermittelt sie heute nur noch wenig von dem Charme vergangener Tage.

Etliche Male wurde die Stadt erobert und zerstört, bis in jüngere Geschichte streckten benachbarte Mächte ihre Hände nach ihr. Von dieser wechselhaften Geschichte erzählt auch die Statue des alten Königs, die seit einigen Jahren direkt am Flussufer steht. Vor wenigen Jahren hätte die politische Lage eine partnerschaftliche Beziehung zum großen Geschwisterland unmöglich gemacht. Thailand steht vor allem in den Augen junger Lao für Fortschritt und Reichtum. Landauf, landab flimmern thailändische Sendungen in den Fernsehgeräten. Immer mehr thailändische Waren gelangen über den Mekong und im Nordosten Thailands leben mehr ethnische Lao als in Laos selbst.

Höchste Zeit, enger mit dem Nachbarn zusammenzurücken. Seit den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts hält das Tauwetter zwischen den beiden Staaten an. Freundschaftsbrücken über den Mekong erleichtern die Überfahrt auf die andere Seite. Eine davon befindet sich südlich von Vientiane, über sie wollten auch wir unsere Rückreise nach Bangkok antreten.

Abschied von einem faszinierenden Land

Es scheint, als wolle Laos uns den Abschied nicht leicht machen. Eine direkte Flugverbindung nach Europa gibt es nicht. Um ohne Flugzeug und Boot nach Bangkok zu gelangen, ist es notwendig, die Brücke über den Mekong nahe der Stadt zu überqueren. Der Weg dahin ist über zwanzig Kilometer lang, über den Fluss führt keine Buslinie. Man überquert den Brücke zu Fuß oder mit einem Shuttlebus, die Grenzposten befinden sich an beiden Seiten der Brücke.

Unser Plan, den Morgenzug zu nehmen, scheitert rasch, als klar wird, dass wir nicht so früh am Morgen die Grenze überqueren können, um den Zug um sieben Uhr zu erreichen. Uns bleiben zwei Möglichkeiten: einen Tag früher nach Nongkhai, der Stadt an der thailändischen Grenze, zu reisen, um dort zu übernachten und am Morgen in den Zug zu steigen. Oder den Nachtzug nach Bangkok zu buchen. Wir entscheiden uns für Zweiteres. Die Tickets sind rasch gebucht, wir verlassen das Land einen Tag vor der geplanten Abreise. Eine Überraschung sollte Laos noch für uns bereithalten.

Drei Kilometer Schienennetz

Gemeinsam mit einer Gruppe japanischer Jugendlicher reisen wir per Songtheo Richtung Thailand. Doch die Fahrt endet schon vor der Grenze. Unser Fahrer lässt uns am Bahnhof von Ban Thanaleng aussteigen. Es ist der einzige Bahnhof in ganz Laos. Zweimal täglich verlässt ein Zug die Station in Richtung Nongkhai. Ban Thanaleng liegt mitten im Nirgendwo, außer uns wartet hier nur eine Handvoll junger Menschen, die das gleiche Ticket gebucht haben wie wir.

Der Bahnhof von Ban Thanaleng in der Nähe von Vientiane, der einzige Bahnhof in Laos
Foto: Thomas Immervoll

Vor einigen Jahren wurde der erste Streckenabschnitt einer Eisenbahn von Nongkhai nach Vientiane fertiggestellt. Das Projekt zur Fertigstellung des zweiten Abschnittes bis nach Vientiane wurde gestoppt, als Pläne der chinesischen Regierung bekannt wurden, eine Hochleistungsstrecke durch Laos hindurch bis nach Singapur zu bauen. Mit dieser würde die laotische Hauptstadt ohnehin an das hochklassige öffentliche Schienennetz angebunden werden. So liegt Ban Thanaleng im Dornröschenschlaf und die Gesamtlänge des laotischen Eisenbahnnetzes beträgt weiterhin nicht mehr als drei Kilometer.

Die laotische Passkontrolle erfolgt bei Betreten des Bahnhofs. Für den Stempel ist wie immer eine Gebühr von zwei US-Dollar zu entrichten. Pünktlich verlässt der kurze Zug den Bahnhof und fährt über die Freundschaftsbrücke hinweg direkt nach Nongkhai, wo beim Umsteigen am Bahnhof die thailändische Grenzwache unsere Pässe kontrolliert.

Wir verlassen ein Land der Gegensätze, das wenig von der Abgeschiedenheit aufweist, die westliche Asieninteressierte gerne erhoffen. Laos ist vielfach mit der Außenwelt verbunden. Die Lao sind ein unternehmerisches, interessiertes Volk, das intensive Kontakte nach außen pflegt. Uns bleibt ein vielfältiges Land in Erinnerung, das seine Besucherinnen mit seiner bunten Kultur, seinen ökonomischen Gegensätzen, seinen großen Problemen und seiner kulturellen Mannigfaltigkeit überschüttet wie kaum ein anderes.

Ich denke nochmals an die junge Frau an der Rezeption des Hotels in Vientiane zurück. Wie viele Menschen wie sie träumen von dem Wohlstand, in dem die thailändische Mittelschicht lebt! Es wird eine große Herausforderung der kommenden Jahre, zwischen den drängenden Einflüssen von außen und einer verträglichen, nachhaltigen Entwicklung des Landes zu vermitteln.

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