Neue Hoffnung für Fukushima

Symbolfoto eines Mikroskops Foto: zVg

Von Ines Lengauer

Am 11. März 2011 um 20:50 wurden die ersten Bewohnerinnen im 5-Kilometer-Radius um das Atomkraftwerk von Fukushima evakuiert. Bis zum 25. März mussten im Umkreis von 20 Kilometern ungefähr 80.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Diese Zone wurde zum Sperrgebiet erklärt. Nun haben es sich Wissenschaftlerinnen zum Ziel gesetzt, dieses Gebiet wieder bewohnbar zu machen.

Bei dem Reaktorunfall trat radioaktives Material, Jod (I-131) und Cäsium (Cs 137) aus. Diese Teilchen haften nun am Boden sowie an Ablagerungen und lösen sich zum Teil im Wasser und landwirtschaftlichen Abwässern. Durch das Wasser und Nahrungsmittel gelangen die Partikel in den menschlichen Organismus und können Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf Beschwerden hervorrufen.

Wie lange die Gegend verstrahlt bleibt, ist ungewiss. Daher beschloss die japanische Regierung, Forscherinnen aus privaten Unternehmen und staatlichen Einrichtungen zu fördern, die nach einer Methode suchen, um die radioaktive Strahlung zu reduzieren.

Der Unfall bewegte auch Dr. Saito Kyoichi, vom Institut der angewandten Chemie und Biotechnologie der Chiba Universität, zum Umdenken. Früher arbeitete er an einem Weg, das natürlich vorhandene Plutonium aus dem Meer zur Energiegewinnung für Kraftwerke zu verwenden. Durch heftige Proteste der Öffentlichkeit und dem eventuellen Atomausstieg Japans, änderte er die Richtung seiner Forschung. Heute verwendet er seine bisherigen Erkenntnisse dazu, das Meer vom Plutonium zu reinigen, das aus dem Reaktor austrat.

Darüber hinaus entwickelt er gemeinsam mit elf Studentinnen seiner Klasse eine Methode, effizient Cäsium aus kontaminiertem Wasser zu filtern. Zuerst versuchte sein Team, mit Cäsium angereichertes Wasser in einer Röhre mit Perlen zu mischen, die sich mit dem Cäsium verbinden sollen. Die Perlen enthalten Ferrozyanid Kobalt, ein Metall, das schon während einer Studie 1958 die Fähigkeit erwies, Cäsium zu absorbieren. Jedoch gelang es dem Team nicht, die optimale Anzahl der Perlen zu finden. Zu viele Perlen verhindern den Fluss des Wassers und zu wenige können nicht genug Cäsium aufnehmen. Daher verzichtete Dr. Saito auf die Röhre und verband die Perlen mit herkömmlichem Nylon, wodurch sie auch von außen Cäsium absorbieren können. Die Komponenten des anorganischen Ferrozyanid Kobalt und dem organischen Nylon ergeben eine hybride Verbindung. Die poröse Membran des Filters ist 1mm dick, wohingegen der Durchmesser des Lochs 0,1 Mikrometer beträgt. Somit ist die Membran 10.000-mal so breit wie der Durchmesser des Loches.

Bis jetzt befinden sich die Nylonfasern in der Testphase, dennoch verzeichneten die Forscherinnen bei Experimenten im Labor vielversprechende Ergebnisse.
Andere Methoden wie das Pflanzen von Sonnenblumen erwiesen sich im Nachhinein als ineffektiv. Bis die Menschen aus Fukushima gefahrlos in ihre Häuser zurück kehren können, ist es noch ein langer Weg.

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