Das Webtagebuch als Draht zur Heimat

Von Bernhard Stern und Thomas Immervoll

Eine Weltkarte mit rosa Pins auf der Startseite, generiert aus den Besucherstatistiken, verrät, dass Menschen aus aller Welt den Weblog von Ishimoto Yuki lesen. Der Header zeigt Bilder von Ishimotos Tochter Alice und ihren Katzen. Seit 2008 schreibt die Japanerin in ihrer Landessprache über ihr Leben und das ihrer Freunde und Verwandten in Wien.

Das einflussreiche japanische Blog-Ranking blog.with2.net führt Ishimotos Blog sogar unter den Spitzenreitern in den Kategorien „internationale Heirats- und Liebessachen“ und „Blogs über Katzen“.

Seit acht Jahren lebt Ishimoto in Österreich. Ihr Mann Ken ist Österreicher mit japanischer Staatsbürgerschaft. Beide sind selbstständig und beruflich auf Websites und in sozialen Medien präsent. Außerdem verwendet sie Facebook und andere neue Medien, um mit Lesern und Bekannten zu kommunizieren. Ab und zu lässt Ishimoto auch ihre Tochter Alice schreiben, damit sie ihre Kenntnis der japanischen Sprache festigen kann.

Die Familie Ishimoto folgt hier einem breiten Trend. Das Internet wird zunehmend zu einer bedeutenden Informationsquelle für Japanerinnen in Österreich. Doch die Informationskanäle sind unterschiedlich. Hierzulande ist die japanische Internetcommunity so vielfältig wie die Gesellschaft selbst. Viele Menschen nutzen das Internet, um ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten oder Beziehungen nach Japan aufrechtzuerhalten.

Die Bedeutung von Facebook für Japanerinnen im Ausland steigt. Auch in Japan selbst läuft Facebook dem japanischen Social Network mixi zunehmend den Rang ab. Im internationalen Vergleich ist Twitter in Japan bereits sehr stark vertreten. Laut dem Datenauswerter comScore hat Twitter am japanischen Markt eine Reichweite von 20%. Um sich gegen die Expansion von Facebook zu schützen, schloss Twitter Ende November 2011 eine strategische Partnerschaft mit mixi ab. Da Facebook und Twitter außerhalb Japans viel leichter zugänglich sind, wird so die internationale Kommunikation wesentlich vereinfacht. Ein großer Teil der japanischen Kommunikation in Österreich dreht sich um Freizeitaktivitäten wie Sport und Musik. Trends aus Japan werden übernommen und zum Teil kulturell stark verändert. So sind die Fangemeinden für japanische Populärkultur, darunter jene von Anime, Manga und Cosplay, in Europa sehr aktiv und haben starken Zulauf von nichtjapanischen Fans. Die Plattform AnimeboardAustria hat bereits 5200 registrierte Mitglieder.

Ishimoto Yuki ist das Internet eine Möglichkeit, als Japanerin mit ihrem Leben in Wien zurechtzukommen. Eindrücke aus Europa können schnell nach Japan gelangen und Freundinnen, Verwandte oder Japanerinnen mit Interesse an Europa informieren. Japanische und westliche Elemente werden dabei zusammengeführt und gleichzeitig differenziert diskutiert.

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